Der Schwalbensittich (Lathamus discolor) zählt zu den Papageienarten mit gewissen anatomischen und verhaltensbedingten Besonderheiten. Lange Zeit waren sich Wissenschaftler nicht einig, ob die Spezies eher zu den Plattschweifsittichen (Platycercini) oder den Loris (Loriinae) gezählt werden soll. Der funktionell-morphologische Bau ihrer Zunge ähnelt den Loris und wird mittlerweile als konvergente Entwicklung aufgefasst. DNA-Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass die Schwalbensittiche eher in die Nähe der Plattschweifsittiche zu stellen sind.

Die Spezies weist zudem ein für Papageienvögel ungewöhnliches Zugverhalten auf. Zur Fortpflanzungszeit im September ziehen diese Sittiche vom australischen Festland nach Tasmanien und gehen dort ihrem Brutgeschäft nach. Auf ihrer mitunter bis zu 2.000 Kilometer langen Wanderung überqueren die Schwalbensittiche auch eine etwa 300 Kilometer lange Strecke über die Bass Strait. Im Anschluss an die Fortpflanzungszeit kehren die Vögel auf das australische Festland zurück.

Wie viele andere Papageienarten gilt auch der Schwalbensittich als gefährdet. Wilderei, Zerstörung des Ökosystems und Waldrodung waren bis vor Kurzem seine größte Bedrohung. In den zurückliegenden Jahren kam ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor hinzu. Der auf Tasmanien eingeschleppte Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps) breitete sich dort rasend schnell aus und wirkt

äußerst negativ auf die Schwalbensittichpopulation ein. Die bevorzugte Nahrung der kleinen Gleitbeutler sind normalerweise süße Baumsäfte. Um an den Saft zu gelangen, beißen sie die Rinde von Bäumen auf und lecken den austretenden süßen Saft auf. Bei der ständigen Suche nach Nahrung haben die Kurzkopfgleitbeutler eine weitere Strategie entwickelt. Sie begeben sich in die Bruthöhlen der Schwalbensittiche und lecken die süßen Nahrungsreste an den Schnäbeln der jungen Sittiche ab. In der weiteren Folge durchbeißen sie die Kröpfe der Jungvögel, um an die bereits an die Jungen verfütterte Nahrung zu gelangen.

Der Bestand des Schwalbensittichs ist nicht zuletzt auch aufgrund der starken Ausbreitung der Kurzkopfgleitbeutler stark rückläufig und so wurde für die Spezies im Jahr 2015, durch die International Union for Conservation of Nature (IUCN), einer Höherstufung in "critically endangered" (vom Aussterben bedroht, extrem hohes Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft) in der Roten Liste der gefährdeten Arten vorgenommen. Ein Aussterben des Schwalbensittichs wird innerhalb der kommenden 15 Jahre befürchtet.

Diese beängstigende Situation nahmen verantwortungsvolle Menschen in Australien und Europa zum Anlass sofort eine beispielhafte Kooperation zu starten. Nähere Informationen zu dem Projekt erhalten Sie auf dieser Homepage.




Letztes update

20.09.2017