Wissenschaftliche Präparate in der Ornithologie

Wissenschaftliche Präparate dienen in der Zoologie unter anderem dazu Körperteile oder ganze Körper über eine sehr lange Zeit zu erhalten. Insbesondere für Wirbeltiere sind mitunter sehr aufwändige Verfahren nötig, um ihre Erhaltung zu ermöglichen. Insbesondere dann, wenn die entstandenen Präparate auch einen Schauwert haben sollen.

Im Bereich der Ornithologie kommen für die Haltbarmachung der Organismen verschiedene Verfahren zur Anwendung. Die einfachste Form der Konservierung besteht darin, den gesamten Körper in eine Konservierungsflüssigkeit zu legen. Oft werden derartige Präparate "Alkohol-Präparate" genannt.

Die wohl größte Verbreitung in den zoologischen Sammlungen haben Vogelbälge, da ihre Unterbringung platzsparend erfolgen kann. Bei den Bälgen handelt es sich um die abgezogene und gegerbte Haut der Vögel, wobei durch die an der präparierten Haut ansitzenden Federn wichtige Informationen erhalten werden. Werden die Bälge entsprechend gelagert, wird auch die Farbgebung des Gefieders viele Jahrzehnte in seiner natürlichen Form erhalten bleiben.

Auch Ganz- oder Teilskelette sind in zahlreichen naturhistorischen Sammlungen zu finden, sind sie doch Träger wichtiger morphologischer Informationen. Zu wissenschaftlichen Zwecken werden die einzelnen Elemente eines Skeletts einfach in geeigneten Behältern aufbewahrt, für Schauzwecke werden montierte Skelettpräparate angefertigt, d.h. das Skelett wird mit Hilfe von Stützelementen wieder aufgebaut.

Die aufwendigste Form der Präparation ist die dreidimensionale Rekonstruktion (Dermoplastik) eines gesamten Tieres, im Bereich der Ornithologie in Form eines sogenannten "Stopfpräparates". Ausgangspunkt dafür ist der Balg des Tieres. Waren es früher noch natürliche Füllmaterialien (Stroh, Moos, Hanf oder Torf), sind es heute in der Regel Kunststoffkörper, die für die Formgebung Anwendung finden. Die Dermoplastik ist somit eine möglichst authentische Wiedergabe des Habitus eines Tieres.

In den Vogelsammlungen auf der ganzen Welt sind aber auch Nester oder Gelege einzelner Arten zu finden, oder in der neueren Zeit auch Gewebeproben, mit denen genetische Analysen ermöglicht werden.



Stopfpräparate Foto: Naturhistorische Sammlungen des Museums Wiesbaden



Ornithologische Sammungen und Artenschutz?

Ornithologische Sammlungen bieten Forschern verschiedenster Fachrichtungen eine hervorragende Arbeitsgrundlage. Aufgrund ihrer weiten geographischen und zeitlichen Abdeckung sind Sammlungen sehr gut dazu geeignet, Merkmalsvariationen historischer Vogelpopulationen zu bestimmen. Die dort ermitelbaren morphplogischen und genetischen Variationsbreiten liefern wertvolle Ausgangspunkte für praktische Artenschutzmaßnahmen. Auch in dem aktuellen Schwalbensittich-Projekt ist die Arbeit mit Museumsstücken unverzichtbar.

Eine sehr gute Übersicht über den gesellschaftlichen Wert naturhistorischer Sammlungen bietet der Beitrag von Dr. Sylke Frahnert (Museum für Naturkunde Berlin), Dr. Martin Päckert (Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden), Dr. Dieter Thomas Tietze (Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität, Frankfurt) und Dr. Till Töpfer (Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig Bonn) Aktuelle Schwerpunkte sammlungsbezogener Forschung in der Ornithologie [154 KB] , erschienen in Vogelwarte 51, 2013: 185-191



Die Auswahl der Messstrecken

Die Erhebung von morphologischen Messwerten sollte, um ihre Vergleichbarkeit zu gewährleisten, mit nachvollziehbarer Methode erfolgen. Um einheitliche Messmethoden und Begriffe zu verwenden, orientierten wir uns bei dieser Arbeit nach den Empfehlungen in dem Handbuch Measuring Birds - Vögel vermessen von Dr. Till Töpfer.

In der Regel wird man als "Unerfahrener" davon ausgehen, dass die Körpergröße ein unverzichtbares Maß beim Vergleich der einzelnen Individuen darstellt. Dem allerdings ist nicht so. Den die Gesamtkörpergröße ist beim lebenden Vogel aber auch beim Museumspräparat sehr schwer zu erfassen. Zum einen spielt die Haltung des lebenden Vogels während der Vermessung eine nicht unwesentliche Rolle und bei den Museumsbälgen der Schrumpfungsprozess aber vor allem auch die Arbeitsmethode der verschiedenen Präparatoren.

Keine grundsätzliche Gültigkeit besitzt die Aussage,

dass die an Vogelbälgen genommenen Trockenmaße kleiner sind als dieselben Maße vom lebenden Vögel, wofür eine gewisse Schrumpfung als Erklärung herangezogen wird. Die Messmethoden müssen für jeden Einzelfall aber dennoch gesondert betrachtet und bei vorzunehmenden Vergleichen entsprechend berücksichtigt werden.

Um die Auswirkungen von Schrumpfungsprozessen oder unterschiedliche Präparationsmethoden auf die Messungen deutlich zu minimieren, haben wir eine Kombination verschiedener Einzelmaße herangezogen. Die gleichen Messstrecken, die wir bei den Museumsstücken definierten, habe wir aufgrund der späteren Vergleichbarkeit natürlich auch beim lebenden Vogel angewandt.

Bei allen Messstrecken haben wir grundsätzlich darauf geachtet, dass die zu messenden Strukturen nicht zu stark abgetragen, abgewetzt oder auch unnatürlich verlängert oder verformt sind.



Auswahl der Präparate für das SPP

Vor Beginn unserer Arbeit an den Präparaten mussten Auswahlkriterien geschaffen werden, welche Museumsstücke für die späteren Vergleiche mit den lebenden Artgenossen geeignet erscheinen. So sollten es nur Stopfpräparate bzw. Bälge sein, die ursprünglich direkt in Australien gesammelt worden sind. Aus dem angegebene Sammelort muss sich dabei zweifelsfrei eine Zuordnung zum australischen Kontinent ergeben.

Des Weiteren sollte das jeweilige Präparate weitestgehend gut erhalten sein, um die benötigten Messungen möglichst genau durchführen zu können. Für die Messungen wählten wir 6 Messstrecken aus, die durch die verschiedenen Präparationsverfahren nicht verändert werden und die auch am lebenden Vogel reproduzierbar sind. So nutzen wir jeweils 2 genau definierte Messbereiche


am Oberschnabel, Flügel und Schwanz. Sofern kleinste Beschädigungen im Bereich der ausgewählten Messtrecken erkennbar waren, wurden keine Daten erhoben. Die zur Anwendung kommenden Messdaten wurden, gemeinsam mit den kompletten Daten zum Sammlungsstück, in eine Tabelle aufgenommen. Aus den Daten wird anschließend die Normalverteilung errechnet, d.h. die Abweichungen der Messwerte naturwissenschaftlcher Vorgänge vom Mittelwert.

Um später auch die Färbung bzw. Färbungsbesonderheiten vergleichen zu können, wurden von jedem zur Anwendung kommenden Präparat Fotos gemacht, immer unter annähernd gleichen Lichtverhältnissen (leistungsstarkes Blitzlicht). Farbliche Besonderheiten wurden sofort auch in die Tabelle übernommen.



Naturhistorisches Museum Wien 



Darstellung der Messdaten

Die Normalverteilung der Messdaten wird mittels der Gaußschen Formel errechnet. Mit ihr können folgende Streuungsmaße ausgewiesen werden:

-Variationsbreite
-Mittelwert/Arithmetisches Mittel
-Standardabweichung
-Variationskoeffizient

Die Brauchbarkeit aller statistischen Kennwerte ist von der Anzahl der Messungen abhänig. Wenige Werte ergeben ein sehr ungenaues Bild über einen Sachverhalt und es sollten nach Möglichkeit wenigstens 10 Grundobjekte, d.h. Vögel einer Art, eines Geschlechts, einer Altersstufe, einer Lokalität usw. für dei statistische Auswertung zugrunde gelegt werden.



Gaußsche Normalverteilung Nach dieser Gaußschen Formel wurde Normalverteilung bei den Schwalbensittich-Messwerten ermittelt.





Bisher standen für die Messungen insgesamt 67 Schwalbensittiche zur Verfügung. Stand: 10.04.2017